DECO HOME STORY
Die Redaktion von DECO HOME zum Hausbesuch bei Architekt und Interior Designer Thomas Mang.
Ein Gespräch über die Neugestaltung der eigenen Wohnung und den Unterschied, sich seinen Lebensraum selbst – oder den seiner Kundinnen und Kunden einzurichten …
Herr Mang, seit wann wohnen Sie hier?
Es sind jetzt fast 13 Jahre.
Was hat sich mit der Neugestaltung verändert?
Ich habe das Wohnzimmer mit einem Durchbruch erweitert. Für die neu entstandenen Bereiche Küche, Wohnen und Essen habe ich ein komplett neues Konzept entwickelt und das auf die anderen Räume übertragen.
Was macht das Konzept aus?
Für mich muss ein Zuhause Wärme ausstrahlen. Diesen Gedanken habe ich bei der Planung betont, indem ich mich für warme Oberflächen wie gebürstetes Tannenholz oder den hellen Eichenparkettboden entschieden habe.
So entsteht in Kombination mit dichten, wertigen Stoffen eine Wohnlichkeit, die mich gerne nach Hause kommen lässt.
Worin besteht der Unterschied bei der Planung des eigenen Zuhause und einem Kundenprojekt?
Bei Kunden erfasst man viel leichter, was sie sich wünschen, und kann diese Vorstellungen entsprechend umsetzen. Für einen selbst finde ich das schwieriger.
Ich kenne so viele Hersteller, weiß, welche Möglichkeiten es gibt – da ist es gar nicht so leicht, sich festzulegen. Und obwohl ich Architektur studiert habe und das Einrichten von Häusern mein Beruf ist, wenn es um mein eigenes Zuhause geht, ist es einfach etwas anderes.
Man kann seinen eigenen Stil komplett ausleben. Gleichzeitig ist mein Anspruch bei jedem Konzept, etwas Zeitloses zu entwickeln. Niemand möchte in zwei Jahren wieder alles rausreißen.
Wie lange hat der Umbau gedauert?
Ich hatte schon lange eine relativ genaue Vorstellung davon, wie ich die Aufteilung, die Materialität und das Konzept sehe – aber es dauerte dann doch länger, den Schritt wirklich zu gehen.
Ungefähr ein Jahr habe ich vorbereitet und der Umbau hat dann noch mal knapp acht Monate gedauert.
Und das wäre bei einem Kundenprojekt schneller gegangen?
Natürlich! Bei Kunden haben wir feste Zeitschienen, an die wir uns halten. Ich habe mir hier bewusst mehr Zeit gelassen, um mir darüber klar zu werden, was ich möchte und was ich nicht mehr möchte.
Der Raum, für den man immer am längsten braucht, ist die Küche. Da hat jeder seine individuellen Abläufe und Vorstellungen, wie die Geräteanordnung und Laufwege gestaltet werden sollen.
Küche ist ein sehr komplexes Thema, wo eine direkte und enge persönliche Abstimmung mit den Kunden enorm wichtig ist.
Was sind für Sie entscheidende Elemente bei der Raumgestaltung?
Ob bei Neubauten oder im Bestand – uns liegt daran, Spannung zu erzeugen. Das fängt beim Grundriss an. Da kann ruhig auch mal bewusst Enge geschaffen werden. Weg von diesen komplett offenen Räumen.
Ein zentral gesetzter Kamin oder eine Verengung in einem Flur, wo dann ein besonderes Kunstwerk hängt, sind viel aussagekräftiger. Wir versuchen immer, Blickpunkte hervorzubringen, um Größenverhältnisse erlebbar zu machen. Ohne optische Bezugspunkte fliegen Räume zu leicht weg.
Im Interior Design empfehle ich, diese Spannung mit Farben und Materialien fortzuführen. Mut zur Farbe! Nicht nur Weiß, Beige und Grautöne. Akzente setzen mit Tapeten und Stoffen. Auch Antiquitäten und Lieblingsstücke sind ein nicht zu unterschätzendes Gestaltungsmittel. Sie spiegeln die Individualität der Bewohner.
Sind die Leute denn mutiger, wenn sie einen Profi beauftragen?
Ja, viele unserer Kunden sind sehr offen für unsere Vorschläge und Konzepte. Natürlich fällt dann mal der Satz: „Das hätte ich mich allein nicht getraut.“ Oder: „Da wäre ich allein nie draufgekommen.“
Es freut uns immer, jemandem etwas Einzigartiges für sein Zuhause mitgeben zu können. Was für viele immer wieder verblüffend ist: Tapeten oder Wandbekleidungen erzeugen eine ungemeine Tiefe und Wertigkeit im Raum. Selbst eine leicht strukturierte Tapete schafft eine völlig andere Atmosphäre.
Also ja: Wer offen für Neues ist, der traut sich mehr, weil er durch uns die Rückbestätigung bekommt, dass es möglich ist und dass man keine Angst vor Farben oder speziellen Oberflächen haben muss.
Stichwort Smart Home – ist das ein Thema, dem Sie sich stellen müssen?
Natürlich, aber die Tendenz wird Sie überraschen. Sie ist rückläufig. Die Übertechnisierung der Häuser ist aktuell zumindest bei unseren Kunden nicht mehr gewünscht. Man versucht, die Dinge wieder so einfach wie möglich zu halten.
Wir gehen in diesem Bereich mit der Zeit, aber versuchen, dabei vermehrt auf Handwerklichkeit und einfache Bedienung zu setzen. In einem gewissen Rahmen ist Smart Home hilfreich, aber sobald es zu kompliziert wird, schlägt es ins Gegenteil um. Auch hier gilt es, sich darüber im Klaren zu sein: Brauche ich das wirklich oder brauche ich es nicht?
Der kritische Punkt ist für mich vor allem beim Licht schnell überschritten. Man kennt das aus Hotels, wenn man mit den Schaltern nicht zurechtkommt, hektisch herumdrückt und entweder alles aus oder alles an ist. Wir verbinden maximal zwei bis vier Lichtszenen.
Welche Rolle spielt für Sie Kunst?
Kunst komplettiert den Gesamt-Look eines Interieurs. Aus meiner Sicht muss sie nicht zwingend abgestimmt sein auf die Farben oder Räume. Denn Kunst steht immer für sich selbst.
Kunst kann und darf aus der Reihe tanzen. Natürlich kann man sie sehr schön auf das Umfeld abstimmen, wenn das gewünscht wird, und erst recht, wenn Kunden schon Kunst haben, die ihnen gefällt.
Grundsätzlich ist es mit der Kunst wie in der Einrichtung: Die Mischung macht’s. Da muss nicht alles nur teuer sein – wenn der Mix stimmt, überzeugt das Gesamtbild durch Lebendigkeit.
Wie gehen Sie selbst mit Kunst um?
Ich bin sehr selbstverständlich mit dem Thema aufgewachsen. Meine Mutter ist sehr kunstaffin, und ich hänge Kunst so, wie ich mich gerade fühle und wie es mir gefällt. Das fängt bei Fotografie an und hört bei Ölgemälden auf – ich bin offen für alles. Es muss mir nur gefallen.
Es gibt wenige Dinge, bei denen das Empfinden so subjektiv ist wie bei der Kunst. Da reden wir auch unseren Kunden nicht rein, sondern vermitteln ihnen ausgesuchte Galerien und Experten.
Das Thema dieser Ausgabe lautet „Wohnen in Deutschland“. Was ist für Sie typisch deutsch?
Deutsches Wohnen empfinde ich als recht statisch. Lieber nicht viel verändern. Ein Stuhl, der einmal da steht, bleibt an der Stelle für die nächsten zehn Jahre und der Bezug auch.
Außerdem sind die Deutschen immer noch nicht wirklich beim Vorhang angekommen. Es erschließt sich mir persönlich nicht, dass man sich ohne Vorhänge wohlfühlen kann.
Gerade in der modernen Architektur sehe ich zu selten Vorhänge und gerade da wären sie schön. Im Angesicht einer Wand aus Sichtbeton setzt ein Bruch durch wertige, haptische Oberflächen einen ganz neuen Akzent.
Positiv an den Deutschen ist für mich die Bedeutung von Handwerk und Qualität. In keinem anderen Land außer in Österreich und der Schweiz wird so viel Wert auf Qualität gelegt.
Also was können die Deutschen besser machen?
Mehr Mut zur Veränderung. Auf seinen eigenen Stil vertrauen. Jeder Mensch hat einen individuellen Geschmack und das soll auch so sein.
Das Wichtigste ist, dass man sich am Ende wohlfühlt, und dafür darf man ruhig ein bisschen mehr auf sein Bauchgefühl vertrauen.